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Kroatien im Wandel der Zeiten...

 

Bereits 1999 habe ich einen kurzen Versuch unternommen den Balkan aus Richtung Ungarn zu erobern. So ging es wenige hundert Kilometer über ungarische Landstraßen zur kroatischen Grenze. Die heute fertige Autobahn von Varazdin nach Zagreb und weiter in Richtung Süden bis Dubrovnik war damals noch im Anfangsstadium der Bauarbeiten, so ging es über holprige Passstraßen vorbei am noch zerschossenen Ortsschild von Zagreb in Richtung Rijeka auf die istrische Halbinsel. Die Freude war groß als uns deutsche KFOR Truppen wild winkend begrüßten, waren wir offensichtlich in der Gegend die einzigen deutschen Touristen. Nach stundenlangen Passstraßen ging es endlich 8km steil bergab zur Hafenstadt Rijeka an der Adria - und sodann weiter in Richtung Opatja.

Recht enttäuschend fielen die Campingplätze aus, so das die Suche nach einem halbwegs angenehmen Platz doch einige Zeit und Kilometer beanspruchte. In Rabac erschien mir ein Platz wenigstens halbwegs geeignet. Umgeben von 3 hohen Bergen lag der Platz in einer Bucht direkt an der Adria. Am Rande der Bucht standen Hotels im Charme der sozialistischen Vergangenheit. Ein Bootsteg mit einem kleinen Hafen versprach abendliche Aktivitäten in den Hafenbars. Mit traumhaftem Blick auf die Inseln Krk und Cres bezogen wir unseren Platz auf dem gigantisch großem Gelände unweit der Adriaküste - ca. 25 m bis zum " Strand ", welcher zu meiner Enttäuschung ganze 5 m Rasen mit anschließend 2 m Schottersteinen breit war. Das Gelände selber war etliche hundert Meter im Quadrat, ohne jeglichen Baumbewuchs, so das die morgendliche Sonne, so sie dann die umgebenden Berggipfel überstieg, ganztags die luftzugfreie Bucht auf 40° und mehr aufheizte.

Das man also viel trinken soll bei derartiger " Bestrahlung " wussten zu dem Zeitpunkt die kroatischen Verkäuferinnen noch nicht. Im unteren Eingangsbereich der Hotelbetonklötze am Rande des Platzes waren diverse Geschäfte beheimatet. Beim Griff in das Getränkedepot nach einem Sechserpack Mineralwasser begleitete  mich eine serbo- kroatisch schimpfende Verkäuferin bis an die Kasse. Dort entnahm man meinem Sechserpack vier Flaschen und machte mir deutlich das es pro Kunde nur 2 Flaschen gäbe....pro Tag, pro Einkauf - ich weiß es nicht. Etwas knurrig mit den beiden Flaschen unterm Arm ging ich zum nächsten Laden, welcher mir nach einer Backstube aussah. Die Verkäuferin saß gegen 8 Uhr recht gelangweilt auf der Gehwegkante und machte auch nur wenig Anstalten aufzustehen, warum auch - der Laden war leer - ausverkauft ! So die übliche Versorgungslage sagte man mir dann bei der Rückkehr auf dem Platz. Na Klasse ein Traum im Urlaub nach Wasser und Brot anzustehen. Hat man sich erst daran gewöhnt organisiert man den Einkauf mit 2 Personen und etwa eine Stunde früher, kam man gut über die Runden. Auch die warmen Mahlzeiten in den wenigen Restaurants versprachen nur wenig Abwechslung. Ganze drei Gerichte - sprich drei verschiedene Formen des Cevapcici mit Pommes für damals pauschal 10.- DM machten auch wieder Lust auf die mitgebrachten Dosen aus der Heimat. Nach ganzen drei Tagen fasste ich also den Entschluss das Ganze zu beenden um an den Balaton zurückzukehren.

 

Mit diesen Erinnerungen im Hinterkopf an den " Reinfall ", wenige Jahre nach der Unabhängigkeit Kroatiens, sollte es nun im Jahr 2010 abermals an die Adriaküste gehen. Gleich vorweg muss ich erwähnen das eventuelle Vorurteile völlig fehl am Platz waren !

In Dalmatien wurde im " old village " Tučepi ein Ferienhaus gebucht. Der Preis für ein Ferienhaus von 50.- €uro pro Nacht erschien auf den ersten Blick recht hoch. Allerdings gibt es Abschläge außerhalb der Hauptsaison und es sind sämtliche Kosten ( Strom, Kurtaxe, Reinigung usw. ) enthalten. So ging es also auf die Straße, welche inzwischen durchgängig ausgebaut ist. Wir mussten lediglich wenige Kilometer zwischen Slowenien und Kroatien über eine Landstraße einen Bypass zwischen zwei Autobahnen fahren. Die Adriaautobahn A1 ist dank deutscher Firmen und EU Gelder bis Dalmatien komplett fertig ausgebaut und sehr gut befahrbar, weil sehr verkehrsarm, dank der Autobahnmaut. Es ist schon paradox das wir diese Magistrale finanzieren und nun auch noch für die Nutzung zahlen müssen. Der Mautpreis liegt bei etwa 0,41 kroatische Kuna (etwa 5 Cent ) je km. Beeindruckend sind die vielen Kunstbauten, welche in das harte kroatische Gestein geschlagen wurden, um den Autobahnverlauf zu ermöglichen. Hier sollten sich die Planer und Erbauer der deutschen A14 Nordverlängerung mal ein Beispiel daran nehmen. Vorbei ging es an Zadar und Split bis zum Urlaubsort - oft parallel zur Adriaküste. Ein fantastischer Ausblick auf die blaue Adria entschädigt für den Blick ins Landesinnere, welcher meist nur karges Gestein und Steppe offenbart.

 

Am frühen Abend trafen wir nach etwa 15 Stunden Fahrt im Ferienort ein. Es zeigte sich ein eher kleines Fischerdorf, welches etwa 1000 Einwohner zählt, aber in der Makarska Riviera der Touristenmagnet ist. So ging es hinunter zum Strand des Ortes und über die schmale Strandstrasse zwischen Restaurants und Geschäften auf der einen und den sonnenden Badegästen auf der anderen Seite hindurch, einige hundert Meter bis zum Haus der Familie  Ženja.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Strandstrasse in Tučepi

Haus Ženja rechts

 

 

Die Zufahrt stellte tagsüber eine gewisse Herausforderung dar aber es störte sich keiner der tausenden Touristen an den vorbeifahrenden Autos. Der Parkplatz auf dem rechten Bild war inklusive und so waren es keine 10 Meter bis zum Wasser der Adria. Kaum eingetroffen führte uns der nette Vermieter voraus fahrend zum  " old village " - und wie der Name es bereits sagt dem " alten Dorf ", etwa einen Kilometer bergauf über dem eigentlichen Ort gelegen. Dem ersten Schock über den ruinenhaften Anblick des Ortes, über eine schwierige Anfahrt über eine kleine Bergstraße, folgte jedoch wohlwollend ein herrlicher Ausblick hoch über der Adria. Auch das restaurierte Ferienhäuschen zeigte sich im modernen Stil, komplett modern und zweckmäßig eingerichtet, klimatisiert und mit 2 WC, Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer eigentlich viel zu groß für zwei Personen.

 

 

 

 

 

 

Ferienhaus und der Ausblick von der Terasse

 

 

Bereits nach der ersten Nacht konnten wir diesem verlassenen Örtchen einen gewissen Charme abringen. Himmlische Ruhe, welche es so im Ort nahe dem Meer nicht gab und ein traumhafter Ausblick auf der einen Seite auf die Adria, auf der anderen das Biokovo Gebirge mit dem höchsten Gipfel, dem Sveti Jure 1.767 m hoch. Der Ort selbst war umringt von Olivenhainen. Man konnte von hier oben einen Blick auf Mangoldterassen und Grantapfelbäume werfen.  Hoch über dem neuen Ort findet man so die Ruhe Ausflüge zu planen.

Zuerst ging es wenige Kilometer nach Makarska, der größten Stadt der Region mit 13000 Einwohnern, welche der Riviera auch den Namen gab. Beim Einkaufen zeigte sich ein Kroatien das nichts mehr mit dem zu tun hatte, wie ich es vor 11 Jahren erlebte. Modern, sauber, ordentlich und ausgestattet so wie wir es vorzufinden gewohnt sind.  Auffällig sind die vielen Kaffeebars, in welchen man jegliche Sorten Kaffee ordern kann, der dann am Tresen getrunken wird. Bezahlt wird hier " pauschal " mit einem 5 Kuna Stück (67 Cent), welches man einfach auf dem Tresen ablegt.

An den nächsten Tagen ging es unter anderem zum Geocaching in das ehemalige Staatshotel " Jadran ", in dem Präsident Tito unter anderem auch Honecker empfangen hat. Luxus am Strand der Adria - jetzt dem allgemeinem Verfall preisgegeben.

                                           

 

Nur noch wenig Zeitzeugen der pseudokommunistischen Regierung sind zu finden.

 

Da die vorgelagerte Insel Hvar im Dunst der Adria zu erkennen war, kam in uns auch der Wunsch auf, dieser einen Besuch abzustatten. Zwar meinte unser Vermieter das dort nur Drogenhändler und Mafiosi leben, was uns jedoch nicht davon abhielt mit der Autofähre auf die Insel überzusetzen und dann die 80km Küstenstraße bis in die gleichnamige Stadt Hvar zu fahren. Dort befand sich einst der Vorposten der Venezianer, weshalb der Ort nach venezianischem Vorbild erbaut wurde. Für knapp 30.- €uro kann man vom Festland mit Auto und 2 Personen übersetzen und findet sich in einer völlig anderen Welt wieder. Durch riesige Jasminfelder, vorbei an Feigenplantagen, führt eine Küstenstrasse von einer zur anderen Inselspitze. Leider hat man in der Stadt Hvar auch den Wert der vielen Touristen erkannt und dementsprechend das Angebot und die Preise danach ausgerichtet. Zum Glück gibt es jedoch nicht nur ein nachempfundenes kleines Venedig mit Campanile, Markusplatz und venezianischen Löwen, sondern auch eine interessante Festung, welche die Seewege nach Venedig sichern sollte.

    Festung " Hvar "        

 

Im Großen Ganzen fällt mein Resümee positiv aus. Auch wenn Dank der einheimischen Währung Kuna noch einige Dienstleistungen und Waren günstiger als in Deutschland sind, kann man nicht mehr vom vermeintlichen Billigurlaub reden. Sicher wird man nicht so arg abgezockt wie in typischen Touristengebieten rund ums Mittelmeer. Dem Gast präsentiert sich ein modernes, sauberes Land im Aufbruch. Kroatien ist auf einem guten Weg sich fest in der europäischen Gemeinschaft als 28. Mitgliedsland zu etablieren. Die Versorgung ist zu 100% gewährleistet, die Menschen sind nett und gastfreundlich. Ein mediterranes Gefühl lässt einen Urlaub zum Genuss werden, wenngleich es auch an Highlights wie z.B. in Italien fehlt. Dafür entschädigt ein weitgehend unberührtes Land ohne Bettenburgen und Mallorca Feeling. Immerhin bringen jetzt schon 10 Millionen Touristen rund 8 Mrd. €uro Umsatz jährlich - das sind etwa 20% des Bruttoinlandsproduktes. Dabei gibt es nur knapp 5 Millionen Einwohner, welche dank der geografischen Sonderlage davon profitieren können. 1246 Inseln, da hängt die deutsche Küste aber mächtig hinterher, und 1777 km Küstenlänge lassen Kroatien in den kommenden Jahren sicher weiter aufblühen. Jetzt erwirtschaftet der Staat bereits einen Überschuss von 1 Mrd. Dollar pro Jahr - das wäre ein Traum eines deutschen Finanzministers. Sicher werden die Nachbarstaaten des ehemaligen Jugoslawien neidisch auf die touristischen Möglichkeiten blicken, haben diese doch nur wenige km oder gar keine Küstenabschnitte. Da hatte Kroatien irgendwie ein gutes Händchen oder Glück. Allein die Entwicklung in den letzten 10 Jahren ist im Vergleich enorm - macht einfach weiter so !

 

Ein Tipp noch von uns - auf dem Rückweg durch Slowenien, wo auch der €uro Zahlungsmittel ist, mal Mittag machen - ehrliche Preise und riesige Portionen brachten uns einfach nur zum staunen. Ich kann jedem nur zum Schnupperurlaub raten.

 

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